1. Oktober 2026
Der Zorn wächst: Agenda Austria spricht von „reiner Geldbeschaffung“, der Handelsverband warnt vor 2870 gefährdeten Jobs. Otto-Austria-Chef Harald Gutschi sieht einen „Shitstorm der Kunden“ programmiert, mehrere Händler wollen klagen. Auf X rechnen Nutzer vor, warum sie trotz Lebensmittel-Entlastung am Ende draufzahlen.

2,40 Euro bei vielen Bestellungen: Amazon weist die neue Paketabgabe direkt beim Bezahlen aus. Die Steuer sorgt bei Kunden, Händlern und Ökonomen für heftige Kritik.
Jetzt sehen viele Kunden schwarz auf weiß, was die Paketsteuer für sie bedeutet: Amazon weist den Aufschlag direkt beim Bezahlen aus. Screenshots der Kundeninformation verbreiten sich in sozialen Netzwerken – teils versehen mit einem wenig begeisterten „Danke, Bundesregierung!“
Amazon verrechnet die Abgabe einmal pro Bestellung. Dabei spielt es keine Rolle, ob anschließend ein oder mehrere Pakete verschickt werden. Bei den meisten Bestellungen sind es 2,40 Euro. Amazon bestätigt diese Praxis selbst.
Aus zwei Euro werden 2,40

Im Gesetz stehen zwei Euro Paketsteuer. Für viele Kunden werden daraus aber 2,40 Euro – weil bei der Weiterverrechnung auch noch Umsatzsteuer anfällt. Bei Büchern sind es 2,20 Euro.
Kurz gesagt: Auf die Paketsteuer kommt noch Mehrwertsteuer drauf.
Formal zahlen muss die Abgabe der Händler. Ob er sie selbst schluckt oder an den Kunden weitergibt, entscheidet er selbst.
„Wir zahlen uns unsere Entlastung selbst“
Für besonderen Ärger sorgt aber die Frage: Wofür wird das Geld eigentlich gebraucht? Die Paketsteuer dient ausdrücklich auch dazu, die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel gegenzufinanzieren. Für 2027 sind daraus rund 280 Millionen Euro Einnahmen eingeplant.
Schellhorn: „Reine Geldbeschaffung“
Agenda-Austria-Direktor Franz Schellhorn legt noch nach. Auf die Frage, ob die zwei Euro pro Paket Sinn machten, antwortet er: „Nein, die machen überhaupt keinen Sinn, außer für den Finanzminister.“ Dieser „kassiert die Bürger weiter ab, statt das Budget zu sanieren“, kritisiert Schellhorn.
Auch das Umweltargument überzeugt ihn nicht: „Es geht einfach nur um eine reine Geldbeschaffung.“ Statt die großen Brocken im Budget anzugehen, müssten nun die Bürger für ihre Onlinebestellungen mehr zahlen.
Handelsverband: „Absurde Abgabe“
Auch aus dem Handel kommt scharfe Kritik. Handelsverband-Chef Rainer Will bezeichnet die Paketsteuer gegenüber dem Branchenportal Elektro.at zum Start als „absurde Abgabe“.
Mehr als 4000 heimische Onlinehändler seien laut Will mit zusätzlichen Kosten und Verwaltungsaufwand konfrontiert. Mehr als jede zweite Onlinebestellung sei betroffen.
Noch drastischer sind die Berechnungen zweier vom Handelsverband präsentierter Analysen: 2870 Jobs könnten verloren gehen, Österreichs BIP um rund 360 Millionen Euro im Jahr sinken. Zugleich könnten dem Staat an anderer Stelle knapp 167 Millionen Euro an Steuern und Abgaben entgehen, gemäß den Berechnungen im Auftrag des Handelsverbands.
Auch die Stimmung in einer vom Verband veröffentlichten Befragung fiel deutlich aus: 70 Prozent lehnten die Paketsteuer ab, 92 Prozent erwarteten höhere Preise. Nur 28 Prozent glaubten, dass damit Plattformen aus Fernost wie Temu oder Shein wirksam getroffen würden.
Otto-Chef erwartet „Shitstorm“
Otto-Austria-Chef Harald Gutschi sieht bereits einen „Shitstorm der Kunden“ programmiert. Otto und Universal wollen die 2,40 Euro zunächst zwei Wochen lang selbst übernehmen. Danach sollen sie den Kunden weiterverrechnet werden. Bei rund zwei Millionen Bestellungen pro Jahr gehe es um 4,8 Millionen Euro.
Gutschi nennt die Ausgestaltung „völlig willkürlich“ und kündigt gegenüber den Salzburger Nachrichten rechtliche Schritte an. Auch XXXLutz behält sich eine Klage vor. Dort stößt vor allem sauer auf, dass eine Maßnahme gegen chinesische Billiganbieter nun auch heimische Händler trifft.
Und auch Amazon will die Regelung rechtlich prüfen lassen. Der Konzern äußert Bedenken an der Verfassungsmäßigkeit sowie an der Vereinbarkeit mit den Regeln des EU-Binnenmarktes. Ob diese Einwände vor Gericht Bestand haben, ist offen.
Retourniert – Steuer bleibt trotzdem
Ein weiteres Detail hat es in sich: Wurde ein Paket erfolgreich zugestellt, verschwindet die Paketsteuer für den Händler auch dann nicht mehr, wenn der Kunde die Ware später zurückschickt.
Das Finanzministerium stellt ausdrücklich klar: Nach erfolgreicher Zustellung ist bei einer späteren Retoure keine Berichtigung der Paketsteuer möglich. Anders ist es, wenn das Paket überhaupt nie beim Empfänger ankommt.
Amazon geht gegenüber seinen Kunden einen Schritt weiter. Wird eine Bestellung vollständig und fristgerecht retourniert, erstattet der Konzern nach eigenen Angaben auch die verrechnete Paketsteuer. Die Abgabe an den Staat bleibt für Amazon trotzdem bestehen.
Auf X kocht der Frust hoch
Der von Gutschi erwartete „Shitstorm“ bekommt jedenfalls reichlich Anschauungsmaterial.
Der frühere BZÖ-Chef und Ex-Bundespräsidentschaftskandidat Gerald Grosz formuliert es besonders zugespitzt: „Nicht die Post wird teurer. Du wirst teurer.“
Er spricht von der „nächsten Abzocke“ und schreibt: „Österreich bestellt. Österreich zahlt.“
Eine Mutter einer achtköpfigen Familie rechnet wiederum vor: Die Mehrwertsteuersenkung bringe ihrem Haushalt nach ihrer persönlichen Rechnung rund 91 Euro pro Jahr. Bei angenommenen 80 Bestellungen zu jeweils 2,40 Euro wären dagegen rund 192 Euro Aufschlag fällig. In ihrem Beispiel wäre die Belastung damit mehr als doppelt so hoch wie die errechnete Entlastung.
„Ein Euro Ware – und 2,40 Euro Steuer?“

Besonders viel Stoff für Ärger liefert die fixe Höhe bei kleinen Bestellungen. Ein Nutzer fragt: „Ich kauf was für einen Euro und soll 2,40 € Steuer zahlen?“ Sein Fazit: „Das ist keine Steuer, das ist Abzocke.“
Auch das Umweltargument wird verspottet. Ein Nutzer berichtet, er habe Knopfbatterien nicht online bestellt, sondern sei mit dem Auto durch Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und Bregenz gefahren, um die Paketsteuer zu vermeiden. Die Batterien habe er nicht gefunden. „Dafür habe ich vollgetankt.“
Ein anderer kündigt gleich die Flucht über die Grenze an. Da er ohnehin regelmäßig nach Slowenien fahre, wolle er seine Pakete künftig dorthin liefern lassen und auch dort tanken: „Von mir bekommt ihr die Paketsteuer nicht.“
FPÖ spricht von „reiner Abzocke“
Auch die Opposition greift den Ärger auf. Auf ihrem offiziellen X-Kanal bezeichnet die FPÖ die Paketsteuer als „reine Abzocke für die Konsumenten“ und als „Rohrkrepierer“ der Bundesregierung.
Quelle https://exxpress.at/economy/paketsteuer-240-euro-extra-jetzt-kocht-die-wut-ueber/
