4. Juni 2026

Sechs Anfragen, sechs Jahre, eine Antwort: Daten nicht vorhanden. Österreich war stolzer „Testweltmeister” – 5,2 Milliarden Euro später weiß das Gesundheitsministerium nicht einmal mehr, welche Produkte gekauft wurden.

Eine parlamentarische Anfragebeantwortung, die eigentlich Transparenz bringen sollte, liefert das Gegenteil. Sozialministerin Korinna Schumann antwortete Ende Mai auf sechs Anfragen der FPÖ-Abgeordneten Katayun Pracher-Hilander zum Einsatz von COVID-19-Tests in österreichischen Spitälern zwischen 2020 und 2025. Das Ergebnis:

Für 188,4 Millionen Selbsttests um 262,5 Millionen Euro kann das Ministerium keinen einzigen Produktnamen nennen.

Begründung: Eine Aufschlüsselung wäre mit „unverhältnismäßig hohem Verwaltungsaufwand” verbunden.

Der Rechnungshof wusste es schon 2023

Dass Österreich bei COVID-Tests im Dunkeln tappte, ist keine neue Erkenntnis. Der Rechnungshof stellte bereits 2023 in einem vernichtenden Bericht fest, dass das Gesundheitsministerium über keine vollständigen und qualitätsgesicherten Daten zum Testgeschehen verfügte – und es verabsäumte, die Abrechnung der Tests an eine lückenlose Erfassung von Testdaten zu knüpfen. Gesamtkosten bis Ende 2022: mindestens 5,2 Milliarden Euro.

Österreich testete dabei pro Kopf 16-mal so viel wie Deutschland.

In Wien wurden allein vier Millionen Testkits gar nicht ausgewertet – ein Schaden von rund 20 Millionen Euro, laut Rechnungshof. Für gleich viele PCR-Tests zahlte Österreich um 66 Millionen Euro mehr als Deutschland – obwohl teils dieselben Labore beauftragt wurden, wie ORF-Recherchen zeigten.

Was die Politiker selbst zugaben

Besonders brisant: Was mit den Tests tatsächlich gemessen wurde, war schon während der Pandemie umstritten.

Im Jänner 2022 erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bei Markus Lanz: „Wenn ein Schnelltest an das Gesundheitsamt gemeldet wird, ist er gültig und zählt.” Die sächsische Sozialministerin Petra Köpping bestätigte dasselbe in einer Talkshow. Das Robert-Koch-Institut widersprach wenig später: Positive Schnelltests würden gerade nicht in der Statistik gezählt, nur positive PCR-Tests.

Damit hatten Politiker öffentlich eingestanden, was Kritiker als Manipulation der Inzidenzzahlen bezeichneten: Schnelltests wurden zeitweise als PCR-Tests in die Statistik eingezählt – obwohl die Fehlerquote weit höher lag. In Hamburg waren in der zweiten Juniwoche 2021 laut Senatsantwort auf eine CDU-Anfrage 80 Prozent der positiven Schnelltests falsch positiv. In Wien bestätigte sich bei den Massentests im Dezember 2020 mehr als die Hälfte aller positiven Schnelltest-Ergebnisse beim PCR-Nachtest nicht.

Neue Studie: Nur 10 bis 14 Prozent der PCR-Positiven tatsächlich infiziert

Wissenschaftlich noch grundsätzlicher ist eine Analyse, die 2025 im Fachjournal Frontiers in Epidemiology erschien. Forscher der Universitäten Stuttgart, Koblenz und Vilnius werteten RKI-Labordaten aus und kamen zu einem aufsehenerregenden Ergebnis: Nur etwa 10 bis 14 Prozent der PCR-positiv getesteten Personen waren tatsächlich mit SARS-CoV-2 infiziert – gemessen an Antikörpernachweisen (IgG). „Die Gleichsetzung ‘positiver PCR-Test = Infektion’ ist wissenschaftlich nicht haltbar”, so Erstautor Michael Günther von der Universität Stuttgart. Genau diese Gleichsetzung war jedoch Grundlage für weitreichende politische Entscheidungen – Lockdowns, Schulschließungen, Impfpflicht-Debatten.

„Die Not wurde vorgespiegelt“

Ökonom Stefan Homburg, der sich seit 2020 intensiv mit den Pandemiedaten beschäftigt, brachte es auf dem 4. Corona-Symposium im November 2025 auf den Punkt: Der PCR-Test habe „die Not vorgespiegelt, die man in Kliniken und auf Friedhöfen nicht sah”. Damit habe man die „Eintrittskarte für eine Zulassung ohne reguläres Zulassungsverfahren” geschaffen. In einem YouTube-Schnellkurs vom Mai 2026 zeigt Homburg anhand amtlicher RKI-Daten, dass die Sieben-Tage-Inzidenz „nichts mit Erkrankung zu tun hatte” – und dass gerade in dem Moment, als die Inzidenz auf fast 2.000 stieg, schlicht gar nichts geschah: Der Ukrainekrieg verdrängte die Pandemie aus den Medien, die Maßnahmen fielen still, so Homburg in seiner Analyse.

Der juristische Rahmen: Notstand als Türöffner

Die politische Rechtfertigung für Österreichs exzessive Teststrategie kam direkt von der WHO. Österreich folgte dem WHO-Grundsatz „Testen, testen, testen” und bezeichnete sich stolz als „Testweltmeister” – wie der Pragmaticus dokumentiert. Die WHO-Devise war der politische Deckmantel. Der juristische Rahmen dahinter hat Schweizer Anwalt Philipp Kruse, der im Oktober 2025 als Einzelsachverständiger im deutschen Bundestag zu den WHO-Internationalen Gesundheitsvorschriften gehört wurde und exxpress exklusiv zum Interview stand, präzise beschrieben: Der von der WHO ausgerufene Gesundheitsnotstand – der sogenannte PHEIC – war der juristische Schlüssel zu allem. Ohne PHEIC keine Notfallzulassungen. Ohne Notfallzulassungen keine Beschaffungsverträge unter Haftungsausschluss. Der Notstand setzte normale Transparenz- und Vergaberegeln außer Kraft – und niemand war verpflichtet, genau zu dokumentieren, was wohin geflossen ist.

Genau das spiegelt die Anfragebeantwortung von Ministerin Schumann wider:

262,5 Millionen Euro für Selbsttests, kein einziger Produktname, keine Dokumentation. Der Verweis auf „unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand” klingt nach Bürokratie. Er ist in Wahrheit ein Eingeständnis.

Die Krammer-Frage bleibt offen

Besonders auffällig ist die Antwort auf Frage 6 der parlamentarischen Anfrage: Pracher-Hilander wollte wissen, ob im Rahmen der bundesweiten Testung auch Tests eingesetzt wurden, die auf Arbeiten des österreichischen Virologen Florian Krammer vom Mount Sinai in New York basieren – konkret im AKH Wien. Antwort des Ministeriums: „Dazu liegen dem BMASGPK keine Informationen vor.”

Dabei ist öffentlich dokumentiert, dass Krammer im April 2020 per Post Antigen-Konstrukte an das BOKU-Wien-Team schickte, das darauf aufbauend gemeinsam mit der Vetmeduni und der MedUni Wien den ersten österreichischen quantitativen Antikörpertest entwickelte. Evaluiert wurde dieser mit über 2.000 Patientenproben in Spitälern in Wien, Linz und Innsbruck. Das Ministerium wusste davon entweder nichts – oder wollte es nicht wissen. Beides ist bemerkenswert.

Quelle https://exxpress.at/politik/covid-tests-ministerium-hat-keine-ahnung-wofuer-262-millionen-ausgegeben-wurden/

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