13.03.2026

Die 84-Jährige klagt gegen den Schwalm-Eder-Kreis wegen Bauschäden. Sie hat ihr Lebenswerk verloren und bereut die Vermietung bitter.

Weiß nicht mehr weiter: Ingrid Sauer befindet sich in einem Rechtsstreit mit dem Schwalm-Eder-Kreis.

Niedenstein – Ingrid Sauer ist verzweifelt: „Meine Existenz wurde vernichtet.“ Sie lebt seit 12,5 Jahren in einem absoluten Albtraum, wie sie sagt. Die 84-Jährige zieht gegen den Schwalm-Eder-Kreis vor Gericht.

Sie verlangte für Bauschäden rund 200.000 Euro vom Landkreis. Bisher habe sie nur rund 78.000 Euro von ihm erhalten.

Es fehlen also noch 122.000 Euro. „Und das ist eigentlich noch nicht genug“, sagt sie. Die Seniorin hat nach eigenen Angaben über 2,5 Millionen Euro verloren.

Ein Rückblick: Sauer hatte 2014 ihr ehemaliges Märchenhotel Ferienpark Sauer im Sengelsberger Weg 12 in Niedenstein an den Landkreis vermietet. „Damit dieser dort geflüchtete Menschen unterbringen konnte. In dem Haus konnten bis zu 80 Menschen wohnen“, so Sauer. Es handelt sich um 1000 Quadratmeter Wohnfläche, das Grundstück ist 4300 Quadratmeter groß.

Das Märchenhotel war zu diesem Zeitpunkt mit drei Sternen zertifiziert.

Sie hat einen Mietvertrag mit dem Kreis aufgesetzt, in dem zum Beispiel steht, dass die Miete im Monat 7000 Euro beträgt. Außerdem steht darin, dass der Mieter neben der Miete alle auf das Mietobjekt anfallenden Nebenkosten zu tragen hat. Zudem steht im Paragrafen 6 geschrieben, dass der Mieter das Mietobjekt pfleglich zu behandeln und es dauernd auf seine Kosten instand zu halten hat. Darunter fallen auch Schönheitsreparaturen, wie zum Beispiel Mängel an Fenstern, Türen, Decken, Wänden, Fußböden und so weiter. Der Mietvertrag liegt unserer Zeitung vor.

In den fünf Jahren, in denen Geflüchtete dort lebten, seien viele Beschädigungen angefallen.

„Die vom Mieter nicht behoben wurden“, sagt Sauer. So habe sie nach dem Auszug der 80 Menschen selbst Handwerker beauftragt, ihre Anlage wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei sind Summen von rund 200.000 Euro zusammengekommen. „Die Kosten durfte ich als Vermieterin auf den Mieter weitergeben. Das steht auch im Mietvertrag“, ergänzt Sauer.

Das Mietobjekt sei nach Beendigung des Mietverhältnisses im sauberen Zustand zurückzugeben gewesen, aber das sei nie passiert.

„Ich habe Tag und Nacht geputzt. Fäkalien von den Wänden im Bad entfernt, Siphons von Essensresten befreit und Schimmel behandelt“, sagt die 84-Jährige.

Dabei wollte sie nur „armen Menschen“ helfen und den Landkreis bei der Unterbringungsnot unterstützen.

Was sie dem Landkreis auch noch vorwirft:

„Ich wusste nichts von einer Versicherung neu für alt“, sagt Sauer. Da fühle sie sich vom Kreis betrogen, im Mietvertrag stehe davon nichts. Eine Versicherung neu für alt bedeutet, dass bei der Reparatur eines alten Gegenstands/Objektes mit Neuteilen der Wertzuwachs vom Schadenersatz abgezogen wird. Das verhindere eine ungerechtfertigte Bereicherung des Versicherten, da das Objekt nach der Reparatur wertvoller ist als vorher.

Neben all den Schäden am Haus fühlt sich Sauer in der Miethöhe betrogen: „Ich habe pro Person 87,50 Euro Miete im Monat erhalten“, sagt sie.

Sauer weiß aber auch, dass andere Vermieter von Unterkünften deutlich mehr Miete vom Landkreis erhalten haben. „Pro Kopf zwischen 150 und 220 Euro“, sagt sie. Zum Vergleich: Einem HNA-Artikel vom 7. August 2021 kann Folgendes entnommen werden: Die Jugendherberge Melsungen hat pro Kopf 233 Euro erhalten, die ehemalige Kaserne in Schwalmstadt erhielt pro Geflüchteten 139 Euro im Monat vom Landkreis.

Wenn man die Seniorin auf den Verlust anspricht, bricht sie in Tränen aus.

Mehr als zwei Millionen Euro habe sie in den vergangenen Jahren an ihrem Lebenswerk verloren.

„Die Immobilie hat ja auch ihren Wert verloren durch die Vermietung als Flüchtlingsunterkunft“, sagt sie. Hätte der Landkreis die Miete wie bei anderen Vermietern bezahlt, wäre das alles nicht passiert. Beispiel: 220 Euro mal 60 Monate mal 80 Personen sind 1,056 Millionen Euro. Sie hat aber 87,50 Euro mal 60 Monate mal 80 Menschen bekommen, das sind nur 420.000 Euro.

„Rückblickend war diese Vermietung der größte Fehler meines Lebens.

Hätte ich das alles früher gewusst, hätte ich unter solchen Umständen niemals mein drei Sterne klassifiziertes Hotel im besten Zustand an den Landkreis vermietet“, sagt Sauer.

Das Gerichtsverfahren laufe immer noch, seit über fünf Jahren jetzt schon. „Es beschäftigt sich derzeit der dritte Richter damit. Zwischendurch musste ich auch meinen Rechtsanwalt wechseln.

Ich kann nicht mehr“, sagt die 84-Jährige.

Quelle https://www.hna.de/lokales/fritzlar-homberg/niedenstein-ort106215/ingrid-sauer-vermietet-hotel-an-kreis-jetzt-fehlen-ihr-122-000-euro-94214429.html

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