Politik

US-Urteil: Glyphosat für Krebs mitverantwortlich – dennoch kein EU-Verbot

Zum dritten Mal in einem Jahr hat ein US-Gericht entschieden, dass das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zur Krebserkrankung eines Menschen beigetragen hat. Dennoch hat die EU das potentiell krebserregende Pflanzengift im November 2017 für weitere 5 Jahre zugelassen. Auch FPÖ und ÖVP haben damals die Resolution für ein Glyphosat-Verbot nicht unterstützt. Und Umweltministerin Köstinger bemüht sich bis heute nicht um eine österreichische Lösung, obwohl Kärnten und 639 österreichische Gemeinden das gefährliche Pestizid verboten haben.

Glyphosat ist das weltweit meistgenutzte Unkrautvernichtungsmittel. Es wird seit Mitte der 70er Jahre in der Landwirtschaft, in der Industrie, im Gartenbau, aber auch in Privathaushalten eingesetzt. Monsanto vertreibt das Herbizid unter dem Namen „Roundup“ und hat damit seit den 70er Jahren Umsätze in Milliardenhöhe gemacht. Kein Wunder also, dass Monsanto-Lobbyisten behaupten, Glyphosat sei so ungefährlich, man könne es sogar gefahrlos trinken.

US-Gerichte sehen das anders: In drei verschiedenen Fällen haben sie geurteilt, dass das Glyphosat-Mittel Roundup der Bayer-Tochter Monsanto ein „erheblichen Faktor“ bei der Entstehung der Krebserkrankung sei. Laut jüngstem Urteil muss Monsanto 1,78 Mrd. Euro Schadensersatz an ein über 70-Jähriges Ehepaar zahlen, das an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Beide hatten jahrelang Glyphosat in ihrem Garten verwendet. Aktuell laufen 11.200 weitere Klagen gegen Monsanto.

Dennoch ist Glyphosat in der EU bis 2022 zugelassen: Eine mächtige Lobby aus Agrarindustrie und Agrarchemiekonzernen hat ein Verbot mit aller Kraft verhindert.

EU hat Glyphosat für weitere 5 Jahre zugelassen

Zur Erinnerung: Im Herbst 2017 wurde auf EU-Ebene über die Neuzulassung des Pflanzengifts verhandelt. Das Europaparlament hat im Oktober eine Resolution beschlossen, dass Glyphosat komplett vom Markt verschwinden muss. Der Ausstieg sollte sofort beginnen und binnen fünf Jahren abgeschlossen sein. Aus Österreich stimmten SPÖ und Grünen für das Aus. FPÖ und NEOS stimmten dagegen, die ÖVP hat sich enthalten. Umweltministerin Köstinger war damals noch EU-Abgeordnete und meinte, dass in der Glyphosat-Frage „nicht Politiker sondern Experten entscheiden“ sollten.

Europäische Chemikalienagentur eng mit Industrie verstrickt

Mit den Experten der EU ist das aber so eine Sache: Die europäische Chemikalienagentur Echa hält Glyphosat für nicht krebserregend. Echa hat sich in ihrer Einschätzung auf Studien von Glyphosat-Herstellern gestützt – vieles wurde sogar „wortwörtlich übernommen“, unabhängige Studien wurden als irrelevant verworfen, wie Greenpeace kritisiert. Die Umweltschutzorganisation stört auch, dass der Vorsitzende des Ausschusses neben der EU auch die Agrar-Industrie zur Risikobewertung von Substanzen berät. Zwei weitere Mitglieder hätten für Forschungsinstitute gearbeitet, die sich unter anderem durch Aufträge der Agrar-Industrie finanzieren.

Mehr als 1,3 Mio. Menschen teilen offenbar die Bedenken der Umweltschutzorganisation. So viele haben nämlich bereits das BürgerInnenbegehren „Glyphosat stoppen“ unterzeichnet.

Die EU-Kommission entschied sich, das Pestizid nur für weitere fünf Jahre, anstelle von eigentlich geplanten 10 Jahren zuzulassen. Nach dieser Frist soll Glyphosat ganz aus Europa verschwinden. Österreich setzte sich dafür ein, das Pflanzengift sofort zu verbieten. Grund dafür war ein Antrag im EU-Unterausschuss des Parlaments, der gegen die Stimmen von ÖVP und Neos beschlossen wurde: Der Antrag verpflichtete den Landwirtschaftsminister dazu, in der EU gegen Glyphosat zu stimmen.

SPÖ und Greenpeace wollen jetzt nationales Verbot in Österreich

Die Urteile der US-Gerichte, dass Glyphosat für die Krebserkrankung verantwortlich gemacht werden kann, lässt die Diskussion um die Glyphosat-Zulassung neu aufleben. So wird das Bundesland Kärnten die Anwendung von Glyphosat für Private verbieten. Laut Landeshauptmann Kaiser wird Kärnten damit die erste Region in der EU, die die Glyphosatverwendung „für klar definierte, breite Teile der Bevölkerung“ untersagt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert ein sofortiges Verbot von Glyphosat in privaten Gärten und im öffentlichen Raum, etwa auf Spielplätzen für ganz Österreich. Unterstützung bekommen die Umweltschützer von der SPÖ. Diese will ein solches Verbot für ganz Österreich, Umweltministerin Köstinger zeigt bislang keine Initiative – derzeit lässt sie einen eventuellen Ausstieg in einer Arbeitsgruppe prüfen.

Quelle https://kontrast.at/glyphosat-oesterreich/

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